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Pisa
Seit 1987 zählt Pisa zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Bekanntheit von Pisa begann jedoch bereits im frühen Mittelalter durch die Schräglage seines berühmten Turms.

Der Domplatz mit der Kathedrale Santa Maria Maggiore verdankt ihren Namen Gabriele D’Annunzio, der ihn aufgrund der Exzentrizität des größten Baukomplexes des romanischen Europas in seinem 1910 veröffentlichten Roman “Chissà che sì, chissà che no” wie folgt beschrieb:
Auf einem weitläufigen, grünleuchtenden Rasen erheben sich die Kathedrale mit ihrem weltlichen Glockenturm (der schiefe Turm), die Taufkapelle, der Camposanto (der Monumentalfriedhof). Die symbolische Bedeutung dieser städtebaulichen Kunstwerke ist gewollt eindeutig: Man wollte den gesamten geschichtlichen Lebenszyklus des Menschen, von der Geburt bis zum Tode, darstellen. Aber da ist noch mehr. Die Lage der Gebäude entspricht dem Sternzeichen des Widders. Das handelte sich dabei jedoch nicht um Aberglauben, sondern um den Instinkt der Vernunft, mit dem die Bauherren den Himmel befragten, an dessen Firmament sich alle Lehren vermischten.

Die Kathedrale, eine Verkörperung der Pisanischen Romanik, wurde dank der damals ungewohnt reichhaltigen Ornamentdekorationen der Fassade und der waagrechten Streifen aus hellem und dunklem Marmor – eine Anlehnung an arabische, byzantinische und levantinische Kulturen – zum Vorbild für alle Kirchen Mittelitaliens: Eine exotische Form der toskanischen Kunst, die dank der weltweiten Präsenz der pisanischen Kaufleute in jener Epoche (das Stadtviertel Chinzica mit seinen Handwerksläden und Straßenmärkten war einst Sitz der arabischen und jüdischen Händler) anderswo erworben wurde. Auch die effektvolle Größe des Innenraums erinnert an die Weitläufigkeit islamischer Moscheen.

Das Dominnere ist mit den Skulpturen von Nicola und Giovanni Pisano geschmückt, die zu den bedeutendsten einheimischen Künstlern und Bildhauern des 13. Jahrhunderts zählen.
Von Giovanni stammt die berühmte Kanzel, deren Paneele nicht nur die reichhaltigste und komplexeste Wiedergabe des Lebens Christi darstellen, sondern die auch zum ersten Mal leicht gewölbt sind, wodurch der Kanzel eine neue kreisförmige Dimension erhält.
Die größten Meister wechselten sich bei der Ausschmückung der Kathedrale miteinander ab. Cimabue verwirklichte hier seine letzte Arbeit, ein riesiges Mosaik, das den Evangelisten Johannes darstellt; auch dieses Meisterwerk entging dem verheerenden Brand, der im Jahr 1595 den Dom verwüstete.

Eine andere, auch Pergamo genannte Kanzel von gleicher Schönheit wurde von Nicola Pisano für die Taufkapelle geschaffen. Dieses kreisförmige Kirchengebäude beeindruckt durch seine reich verzierte Fassade und die schlichte Eleganz des Innenraums mit Mauerwerk aus weißem Marmor und Mosaikfußboden. Weitere Kunstschätze der Taufkapelle sind im nahe gelegenen Dommuseum ausgestellt.

Das am gleichnamigen Platz untergebrachte Museum besitzt eine reichhaltige Kollektion von Keramiken und Skulpturen, die fast alle aus den Kirchen von Pisa stammen. Beachtenswert ist auch die Bildersammlung, die Werke von Donatello, Gentile da Fabriano, Masaccio und Beato Angelico ihr Eigen nennt.

Pisa ist eine uralte Stadt etruskisch römischen Ursprungs mit einem sehr hohen Anteil jugendlicher Einwohner. Neben der namhaften Universität ist die Provinzhauptstadt auch Sitz der so genannten Scuola Normale Superiore, eine Normalhochschule, in der nichts normal ist. Die Normalhochschule gewährt ihren Studenten, die durch einen Wettbewerb ausgewählt und in eine städtische Universitätsfakultät eingeschrieben werden, Kost und Logis, die Rückerstattung der Studiengebühren sowie einen monatlichen Betrag für den Erwerb von Unterrichtsmaterial. Die Studenten dürfen auch eigenständig einen allgemeinen Fonds für die Durchführung von Kultur- und Freizeitaktivitäten verwalten. Das große Plus dieses Systems ist der Umstand, dass die Studenten unverzüglich mit den wichtigsten Vertretern der wissenschaftlichen und philosophisch literarischen Studien in Kontakt treten können.
Die im Jahr 1810 auf Geheiß Napoleons in den Räumen des Palazzo della Carovana gegründete Normalhochschule führt in ihren Annalen Nobelpreisträger wie Enrico Fermi, Carlo Rubbia, Giosuè Carducci (der erste Nobelpreis, der 1906 an einen Italiener verliehen wurde), bedeutende Politiker wie Carlo Azeglio Ciampi, Alessandro Natta und Massimo D’Alema sowie Verlagsdirektoren und Schriftsteller wie Giulio Bollati, Pietro Citati und Antonio Tabucchi.


Pisa wird von Ost nach West auf einer Länge von 16 km vom Arno durchquert und verfügt daher über zahlreiche Brücken aus der Antike und der heutigen Zeit. Die älteste Brücke ist die Ponte del Mezzo, die nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde. Besonders stimmungsvoll ist der über den Fluss gespannte Brückenbogen. Jeden Sommer finden hier die historischen Brückenspiele (Gioco del ponte) statt, ein lebhafter Volkswettkampf aus dem 15. Jh..
Im Jahr 1986 wurde hingegen der 700 Meter lange Ponte delle Bocchette errichtet. Auf das Jahr 1974 gehen die beharrlichen technischen Eingriffe an der nur 109 Meter langen Solferinobrücke zurück, die einen neuralgischen Punkt für den Stadtverkehr darstellt. Die 1874 zum Andenken an den Sieg Napoleons III. über Kaiser Franz Josef errichtete Brücke wurde 1944 bombardiert. Die Einwohner Pisas bauten die Brücke wieder auf, 1966 kam es infolge eines Hochwassers des Arnos zu einem neuerlichen Einsturz. Dank Genie und Hartnäckigkeit erfüllt die Brücke nach wie vor ihren Dienst.
Last und Freude zugleich, schenkt der Fluss der Stadt Pisa die ruhigen, grünen Arnopromenaden, die von herrlichen Palästen gesäumt werden. Besonders beachtenswert sind der Palazzo Medici (die derzeitige Präfektur) und der Palazzo Toscanelli (das aktuelle Staatsarchiv).

Über die ganze Stadt verteilt finden Sie eine Vielzahl von Handwerksläden und Verkaufsständen, die fein gearbeitete Gegenstände aus Alabaster, Marmor, Kupfer und Leder anbieten.


Leckere Menüs zu kleinen Preisen oder unvergessliche Mittag- und Abendessen sind in Pisa eine weit verbreitete, wohlschmeckende und einzigartige Versuchung.
Eine wahre Sünde wäre es jedoch, die Stadt zu verlassen, ohne die Arsella alla pisana, die auf toskanischem Weißbrot servierten Miesmuscheln, die kleinen Aale auf Pisaner Art, den Stockfisch auf Pisaner Art, den Anguilla in ginocchioni (mit Salbei gewürzten Aal), die Spaghetti schiacciati, flache Spaghetti mit Fischsauce, die Froschsuppe, Fischsuppe und die Suppe mit weißen Bohnen aus San Michele oder die köstliche, mit Schokolade und Pinienkernen gefüllte Torta coi bischeri zu versuchen. Die pisanischen Hauptgerichte erreichen den kulinarischen Olymp mit Wildgerichten und Fisch, wie zum Beispiel dem Stockfisch auf Pisaner Art (Pisa liegt nur 10 km von der tyrrhenischen Küste entfernt).

Bei den Weinen stehen die DOC-Sorten aus den Anbaugebieten Chianti und Montecarlo an der Spitze, es gibt aber auch viele preiswerte Weißweine von ausgezeichneter Qualität und blumigem Bukett sowie fruchtige oder eher körperreiche Rotweine wie den Sangiovese.


Auch bei Kuchen und Gebäck zeigt sich die Stadt Pisa von ihrer unwiderstehlich egozentrischen Seite: Neben den üblichen frittierten „Chiacchere“, den verschiedenen Faschingsleckereien, den klassischen „Cantucci“ mit ganzen Mandeln und der weniger bekannten „Stiacciata di Pasqua“ (Ostertorte) gibt es eine Süßspeise, deren DNA eindeutig zu Pisa gehört: Sie heißt Kinzica und verdankt ihren Namen einer Prinzessin aus dem 15. Jahrhundert, die einen Überfall der Sarazenen vereitelte.
Ihr zu Ehren kann man noch heute ein weiches, rundes Gebäckstück genießen, das üppig mit biologischen Pinienkernen bedeckt ist, die aus dem nahen Naturpark von Migliarino-San Rossore-Massaciuccoli stammen.
Seien Sie nicht schuldbewusst, die Spaziergänge helfen mit, die schlanke Linie zu bewahren. Und hat Pisa nicht seit jeher das Gesetz der Schwerkraft herausgefordert?


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Ein Konstruktionsfehler, der sich auf der Piazza dei Miracoli (Platz der Wunder) in einen Vorzug verwandelte: der schiefe Turm wurde kürzlich zu einem der Sieben Weltwunder gewählt. Aufgrund des sandigen Untergrunds begann sich der Turm bereits zu Bauzeiten zu neigen.
Dieser unvorhergesehene Zwischenfall erregte die Aufmerksamkeit des aus Pisa stammenden Galileo Galilei, dem durch die Schräglage des Turms der Nachweis gelang, dass Gegenstände von unterschiedlichem Gewicht mit derselben Geschwindigkeit zur Erde fallen. Bald vermischte sich das Geistliche mit dem Profanen und Kunst und Wissenschaft wurden zu einer Einheit.
Trotz des fehlenden Universitätsabschlusses erhielt der Wissenschafter den Lehrstuhl für Mathematik an der Universität von Pisa.

Mit dem Bau des Turms wurde im Jahr 1173 begonnen, er sollte der Glockenturm des Doms werden, eine der schönsten romanischen Kathedralen Italiens, die bereits ein Jahrhundert vor dem Turm errichtet wurde. Das einzigartige elegante Bauwerk besitzt eine zylinderförmige Architektur und besteht aus einem verzierten Fundament und sechs Stockwerken, die von einer Glockenstube mit geringerem Umfang gekrönt werden.

Im Jahr 1944 wurde Pisa sowohl von den Alliierten als auch von der deutschen Wehrmacht bombardiert. Alle Baudenkmäler, die sich im näheren Umkreis des Turms befanden, stürzten wie Kartenhäuser in sich zusammen. Nur der instabile und schiefe Turm erlitt keinerlei Schäden.
Seit 1999 wird versucht, mit hoch entwickelten Stütztechniken den natürlichen Zusammenbruch des Turms zu bremsen. Heute wird er von zwei dicken Stahlseilen gehalten, die ihm nichts von seiner eindrucksvollen Schönheit nehmen. Laut Berechnungen ist der schiefe Turm durch diverse Rettungsmaßnahmen für die nächsten 350 Jahre gesichert.

 
 
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